Veröffentlicht am April 12, 2024

Zusammenfassend:

  • Der Umstieg auf feste Produkte wie Shampoo-Bars ist nicht nur umweltfreundlich, sondern spart Ihnen bares Geld pro Jahr.
  • Fokus auf regionale Inhaltsstoffe aus Deutschland reduziert den CO2-Fußabdruck Ihrer Kosmetik drastisch.
  • Kleine technische Helfer und das Wissen über lokale Recycling-Systeme haben einen größeren Einfluss als dogmatischer Verzicht.
  • Nachhaltigkeit im Bad bedeutet, informierte Entscheidungen zu treffen, die Freude machen, statt Verzicht zu predigen.

Kennen Sie das Gefühl? Sie bringen den Gelben Sack raus und sind erschrocken, wie schnell er sich wieder mit leeren Shampooflaschen, Duschgeltuben und Cremetiegeln gefüllt hat. Der Wunsch, nachhaltiger zu leben, ist da, aber die Vorstellung eines strengen „Zero Waste“-Lebensstils mit selbstgemachtem Deo und komplizierten Regeln fühlt sich überwältigend an. Viele Ratgeber predigen den totalen Verzicht, was schnell demotiviert und den Eindruck erweckt, man müsse auf jeglichen Komfort verzichten.

Aber was, wenn der Weg zu einem plastikärmeren Badezimmer gar nicht über radikalen Verzicht führt, sondern über kluge, informierte Entscheidungen? Was, wenn Sie nicht nur die Umwelt schonen, sondern dabei sogar Geld sparen, hochwertigere Produkte nutzen und Ihren Alltag vereinfachen können? Dieser Artikel bricht mit dem Dogma des Perfektionismus. Stattdessen nehmen wir eine andere Perspektive ein: Wir konzentrieren uns auf den Gewinn statt auf den Verzicht. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit einfachen, in Deutschland leicht verfügbaren Produkten und cleveren Gewohnheiten Ihren Plastikmüll im Bad deutlich reduzieren können, ohne dabei an Lebensqualität zu verlieren.

Wir werden gemeinsam analysieren, welche kleinen Änderungen die größte Wirkung haben – von der Wahl des richtigen Shampoos über die Kraft heimischer Pflanzen bis hin zu den unsichtbaren Plastikfallen im Waschraum. Am Ende werden Sie nicht nur eine Liste von Verboten haben, sondern einen umsetzbaren Plan, der zu Ihrem Leben passt und Ihnen Freude an der Veränderung bereitet.

Für alle, die lieber zusehen als lesen, bietet das folgende Video einen tollen visuellen Einstieg und ergänzende Tipps für die ersten Schritte zu einem nachhaltigeren Badezimmer. Es fasst viele der hier besprochenen Kernideen zusammen und zeigt, wie einfach der Anfang sein kann.

Um Ihnen den Weg zu einem nachhaltigeren Badezimmer zu erleichtern, haben wir diesen Artikel in übersichtliche Themenbereiche gegliedert. So können Sie gezielt die Informationen finden, die für Sie am relevantesten sind, und Schritt für Schritt positive Veränderungen umsetzen.

Shampoo-Bar oder Flasche: Wie viel Geld und Plastik sparen Sie wirklich pro Jahr?

Der Umstieg auf feste Shampoos ist oft der erste Schritt, den viele auf dem Weg zu einem plastikfreien Bad gehen. Doch ist es wirklich mehr als nur ein Trend? Die Antwort ist ein klares Ja, und zwar nicht nur für die Umwelt, sondern auch für Ihren Geldbeutel. Eine informierte Entscheidung basiert auf Fakten, nicht nur auf Gefühlen. Betrachten wir den direkten Vergleich zwischen einem festen Shampoo-Bar einer bekannten deutschen Drogeriemarke und einem herkömmlichen Flüssigshampoo.

Die Zahlen zeigen, dass der Preis pro Haarwäsche bei festen Produkten oft niedriger ist, da sie viel konzentrierter sind und länger halten. Hinzu kommt der enorme ökologische Gewinn: keine Plastikflaschen, die im Müll landen, und ein deutlich geringerer CO₂-Fußabdruck beim Transport. Tatsächlich ist der Effekt beachtlich: Wenn nur 1% der Deutschen auf verpackungsfreie Haarpflege umsteigt, werden 4,3 Millionen Plastikflaschen pro Jahr vermieden. Ein kleiner Wechsel mit gigantischer Wirkung.

Kostenvergleich: Foamie Shampoo-Bar vs. Flüssig-Shampoo aus deutschen Drogerien
Kriterium Foamie Shampoo-Bar (80g) Flüssiges Shampoo (250ml)
Preis pro Stück 4,95 € 2,95 € (Durchschnitt)
Anzahl Haarwäschen ca. 60 ca. 25-30
Preis pro Haarwäsche 0,08 € 0,10-0,12 €
Jährliche Kosten (150 Wäschen) 12 € 15-18 €
Plastikflaschen pro Jahr 0 6-7 Flaschen
CO2-Einsparung Transport 80% weniger Gewicht Basis

Ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Anwendung von festen Shampoos ist die Wasserhärte, die in Deutschland von Region zu Region stark variiert. In Städten mit sehr hartem Wasser wie Berlin kann es zu Ablagerungen im Haar kommen, den sogenannten „Kalkseifen“. Dies lässt sich jedoch leicht mit einer sauren Rinse (z.B. Apfelessig in Wasser) nach der Wäsche beheben. In Gebieten mit weichem Wasser wie Bremen ist dies meist gar nicht nötig. Eine informierte Wahl bedeutet also auch, die lokalen Gegebenheiten zu kennen und die Pflegeroutine entsprechend anzupassen.

Warum lassen Sie das Wasser laufen? 3 Gewohnheiten, die hunderte Liter verschwenden

Plastik ist nicht die einzige Ressource, die wir im Bad oft unbewusst verschwenden. Unser Umgang mit Wasser hat einen ebenso großen Einfluss auf die Umwelt. Im Durchschnitt verbraucht eine Person in Deutschland 123 Liter Wasser pro Person täglich, ein Großteil davon im Badezimmer. Drei kleine Gewohnheiten sind dabei die größten Verschwender: das Wasserlaufenlassen beim Zähneputzen, beim Einseifen unter der Dusche und während der Wartezeit auf warmes Wasser. Allein das Abdrehen des Hahns beim Zähneputzen spart bis zu 12 Liter pro Vorgang.

Doch auch hier gilt der Grundsatz „Gewinn statt Verzicht“. Moderne Technologie hilft uns, Wasser zu sparen, ohne dass wir es überhaupt bemerken. Anstatt kürzer oder kälter zu duschen, kann die Installation von wassersparenden Duschköpfen und Perlatoren am Wasserhahn den Verbrauch um bis zu 60% senken – bei gleichem Komfortgefühl. Diese mischen dem Wasser Luft bei, wodurch der Strahl voll und angenehm bleibt, obwohl deutlich weniger Wasser fließt.

Moderne Wasserspartechnologie im deutschen Badezimmer mit Perlator und Durchflussbegrenzer

Diese kleinen Helfer sind eine einmalige, günstige Investition, die sich über die Wasserrechnung schnell amortisiert und jahrelang still und leise ihren Dienst verrichtet. Ein perfektes Beispiel für eine informierte Entscheidung, die nachhaltiges Handeln mühelos in den Alltag integriert. Es geht nicht darum, sich selbst zu kasteien, sondern das System clever zu nutzen.

Fallstudie: Hansgrohe EcoSmart – Deutsche Innovation für Wassereinsparung

Die Handbrause Pulsify von Hansgrohe ist aus recyceltem Material und spart Wasser in der Dusche. Diese in Deutschland entwickelte Technologie reduziert den Wasserdurchfluss um bis zu 60% ohne spürbaren Komfortverlust. Verfügbar in deutschen Baumärkten wie OBI und Bauhaus, amortisiert sich die Investition durch Wassereinsparungen innerhalb von 6-12 Monaten.

Leere Tiegel und Flaschen: Kreative Wege, Kosmetikmüll ein zweites Leben zu geben

Selbst im nachhaltigsten Badezimmer fallen irgendwann leere Verpackungen an. Doch anstatt sie achtlos in den Gelben Sack zu werfen, lohnt es sich, einen genaueren Blick auf die Möglichkeiten zu werfen, die das deutsche System bietet. Eine informierte Entscheidung bedeutet hier, zu wissen, welche Marken Verantwortung übernehmen und wie man das Recyclingsystem optimal nutzt. Viele Unternehmen haben mittlerweile erkannt, dass die Verpackung nicht das Ende der Reise sein muss.

Einige Kosmetikhersteller bieten mittlerweile Rücknahmeprogramme und Nachfüllsysteme direkt in ihren deutschen Filialen an. Dies ist ein riesiger Gewinn, da die Verpackungen so direkt in einen geschlossenen Kreislauf zurückgeführt werden können. Anstatt aufwendig sortiert und recycelt zu werden, werden sie gereinigt und wiederbefüllt – die ökologisch beste Option. Bevor Sie eine leere Verpackung entsorgen, prüfen Sie, ob die Marke eine solche Möglichkeit anbietet. Oft wird Ihr Engagement sogar mit Rabatten oder Gratisprodukten belohnt.

Fallstudie: Fair Squared – Deutsches Kreislaufwirtschafts-Modell für Kosmetik

In Deutschland findest du etwa bei Fair Squared die Möglichkeit, Cremes in Glastigeln zu kaufen, die nach dem Gebrauch zurückgegeben, ausgespült und wiederverwendet werden. Das Kölner Unternehmen hat ein vollständiges Pfandsystem für Kosmetikverpackungen etabliert, bei dem Kunden 50 Cent Pfand pro Glastiegel zahlen und bei Rückgabe zurückerhalten.

Hier sind einige bekannte Marken in Deutschland, die vorbildliche Programme etabliert haben:

  • L’Occitane: Rücknahme aller Markenverpackungen in deutschen Filialen gegen Treuepunkte.
  • Kiehl’s: Recycling-Programm mit Belohnung – 10 leere Tiegel ergeben 1 Gratisprodukt.
  • MAC Cosmetics: Back to MAC – 6 leere Produkte können gegen einen Gratis-Lippenstift eingetauscht werden.
  • Lush: Fresh & Naked – 5 schwarze Töpfe zurückbringen und eine Gratis-Gesichtsmaske erhalten.
  • Rituals: Bietet Refill-Stationen in ausgewählten deutschen Stores für Duschgel und Handseife an.

Warum sind Rohstoffe aus der Lüneburger Heide besser als Bio-Sheabutter aus Afrika?

Nachhaltigkeit wird oft fälschlicherweise mit exotischen „Superfoods“ und Inhaltsstoffen aus fernen Ländern gleichgesetzt. Bio-Sheabutter aus Ghana oder Arganöl aus Marokko sind zweifellos hochwertige Rohstoffe. Doch eine wirklich informierte Entscheidung berücksichtigt den gesamten Lebenszyklus eines Produkts – und dazu gehört vor allem der Transport. Die Wahrheit ist: Das Beste wächst oft direkt vor unserer Haustür.

Der CO₂-Fußabdruck eines Produkts wird maßgeblich von der Distanz beeinflusst, die seine Zutaten zurücklegen müssen. Heidekraut-Extrakt aus der Lüneburger Heide verursacht im Vergleich zu Sheabutter aus Ghana bis zu 80% weniger CO2-Emissionen, bis er in Ihrem Cremetiegel in Deutschland landet. Regionale Wirkstoffe haben nicht nur einen logistischen Vorteil, sondern sind oft auch perfekt an unser Klima angepasst, was ihren Anbau ressourcenschonender macht.

Pflanzen, die in Deutschland heimisch sind, wie die Ringelblume, sind oft besser an das hiesige Klima und die Wasserverfügbarkeit angepasst als exotische Pflanzen, die künstlich bewässert werden müssen.

– Dr. Maria Schmidt, Deutsche Gesellschaft für Naturkosmetik

Deutschland hat eine reiche Vielfalt an potenten Heil- und Pflegepflanzen, die oft in Vergessenheit geraten sind. Beim nächsten Kosmetikkauf lohnt es sich, gezielt nach diesen heimischen Kraftpaketen Ausschau zu halten. Sie unterstützen nicht nur lokale Landwirte, sondern leisten auch einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz.

  • Sanddorn von der Ostseeküste: Reich an Vitamin C und Omega-Fettsäuren, ideal für Anti-Aging-Pflege.
  • Algen von der Nordsee: Mineralstoffreich und intensiv feuchtigkeitsspendend.
  • Weinreben-Extrakt aus dem Moseltal: Bietet eine starke antioxidative Wirkung durch Polyphenole.
  • Kamille aus Thüringen: Bekannt für ihre entzündungshemmenden und beruhigenden Eigenschaften.
  • Heidekraut aus der Lüneburger Heide: Wirkt straffend und durchblutungsfördernd.
  • Lindenblüten aus Bayern: Beruhigen und regenerieren empfindliche Haut.

Wie packen Sie Ihren Kulturbeutel für 2 Wochen mit nur 5 festen Produkten?

Reisen ist oft der Härtetest für einen nachhaltigen Lebensstil. Ausgelaufene Flüssigkeiten, strenge Handgepäcksregeln und ein Berg an kleinen Plastikpröbchen – der Kulturbeutel wird schnell zum Albtraum. Doch auch hier liegt die Lösung im Minimalismus und in festen Produkten. Es ist nicht nur möglich, sondern sogar befreiend, für zwei Wochen mit nur fünf multifunktionalen, festen Produkten auszukommen. Das spart Platz, Gewicht, Nerven und natürlich jede Menge Plastikmüll.

Das Geheimnis liegt in der Auswahl von Produkten, die mehrere Aufgaben erfüllen können. Ein gutes festes Shampoo kann oft auch als Duschgel dienen. Eine reichhaltige Body-Butter-Bar ersetzt Bodylotion und Handcreme. Diese minimalistische Herangehensweise ist der ultimative „Gewinn statt Verzicht“: Sie reisen leichter, müssen sich keine Sorgen um auslaufende Flaschen machen und haben trotzdem alles dabei, was Sie für eine umfassende Pflege benötigen.

Kompakter Reise-Kulturbeutel mit festen Pflegeprodukten für nachhaltiges Reisen

Hier ist ein Beispiel für ein minimalistisches 5-teiliges Reise-Set, das Sie für zwei Wochen komplett versorgt:

  1. Fester Shampoo & Dusch-Bar: Ein 2-in-1-Produkt für Haare und Körper. Achten Sie auf eine pflegende Formel ohne austrocknende Sulfate.
  2. Fester Conditioner: Unverzichtbar für die Haarpflege, besonders bei längerem Haar oder nach dem Schwimmen im Meer.
  3. Feste Gesichtsreinigung: Ein milder Reinigungs-Bar, der auf Ihren Hauttyp abgestimmt ist, entfernt Make-up und Schmutz, ohne die Hautbarriere anzugreifen.
  4. Feste Body-Butter-Bar: Ersetzt Bodylotion, Hand- und Fußcreme. Die Wärme der Haut schmilzt die pflegenden Öle und Buttern.
  5. Zahnputz-Tabletten: Die perfekte Alternative zur Zahnpastatube. Sie sind leicht, auslaufsicher und in wiederverwendbaren Gläsern oder kompostierbaren Tüten erhältlich.

Pods, Pulver oder Flüssig: Was belastet das Abwasser am wenigsten?

Der Gedanke an Nachhaltigkeit sollte nicht an der Badezimmertür enden. Was wir zum Waschen unserer Kleidung verwenden, hat einen direkten Einfluss auf unsere Gewässer – oft einen viel größeren, als uns bewusst ist. Laut NABU gelangen jährlich in Deutschland allein aus Kosmetikprodukten sowie Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln 922 Tonnen Mikroplastik und 46.900 Tonnen gelöste Polymere in die Umwelt. Ein erheblicher Teil davon stammt aus Waschmitteln.

Die beliebten Wasch-Pods oder Caps sind zwar praktisch, aber ihre Hülle besteht aus Polyvinylalkohol (PVOH), einem wasserlöslichen Kunststoff. Obwohl er sich auflöst, verbleiben die Polymere im Wasserkreislauf. Flüssigwaschmittel enthalten oft ebenfalls gelöste Kunststoffe und unnötig viel Wasser. Klassisches Waschpulver in einem Pappkarton ist hier oft die bessere Wahl, da es seltener schädliche Polymere enthält und kompakter verpackt ist. Eine informierte Entscheidung erfordert einen Blick auf die Inhaltsstoffe und die Verpackung.

Umweltbelastung verschiedener Waschmittelformen
Waschmittelform Wasserlösliche Kunststoffe Füllstoffe Verpackungsmüll Dosiergenauigkeit
Pods/Caps PVOH-Hülle (8-10g/Waschgang) Keine Plastikbox Nicht anpassbar
Flüssigwaschmittel Oft enthalten 15-30% Wasser Plastikflasche Mittel
Pulver Selten 10-40% Füllstoffe Karton Sehr gut
Baukastensystem Keine Minimal Karton/Papier Optimal

Die ökologischste, aber leider fast vergessene Methode ist das Waschmittel-Baukastensystem. Hier werden die Komponenten – Basiswaschmittel, Enthärter und Bleichmittel – einzeln dosiert, je nach Wasserhärte und Verschmutzungsgrad der Wäsche. Das reduziert den Chemikalieneinsatz drastisch und ist ein Paradebeispiel für eine bewusste und ressourcenschonende Entscheidung.

Fallstudie: Das deutsche Baukastensystem – vergessene Lösung für saubere Wäsche

Das in den 1980er Jahren in Deutschland entwickelte Waschmittel-Baukastensystem trennt Basiswaschmittel, Enthärter und Bleichmittel. Tests zeigen: Bei korrekter Anwendung reduziert sich die Chemikalienbelastung des Abwassers um bis zu 30%, da nur die tatsächlich benötigten Komponenten je nach Wasserhärte und Verschmutzung dosiert werden. In München (Härtebereich 3) spart eine Familie so jährlich bis zu 15kg Waschmittel.

Natur-Look vs. Zertifikat: Woran erkennen Sie, ob die Bambus-Verpackung nur Marketing ist?

Der Markt für nachhaltige Produkte boomt, und mit ihm leider auch das „Greenwashing“. Verpackungen aus Bambus, in Erdtönen gehaltene Etiketten und blumige Werbeversprechen sollen uns ein gutes Gewissen verkaufen. Doch eine informierte Verbraucherin schaut genauer hin. Besonders bei Bambus ist Vorsicht geboten: Viele als „Bambus“ beworbene Becher oder Dosen bestehen in Wahrheit aus einem Melamin-Formaldehyd-Harz, dem lediglich Bambuspulver beigemischt wurde. Dieses Material ist nicht biologisch abbaubar und kann unter Hitze sogar gesundheitsschädliche Stoffe freisetzen.

Wie können Sie also echte Nachhaltigkeit von reiner Marketing-Fassade unterscheiden? Der verlässlichste Weg führt über unabhängige Zertifikate und Siegel. Sie sind der „TÜV“ für Naturkosmetik und nachhaltige Produkte. Anstatt sich auf vage Begriffe wie „naturnah“ oder „grün“ zu verlassen, garantieren diese Siegel die Einhaltung strenger, kontrollierter Kriterien. Das deutsche Verpackungsgesetz (VerpackG) zwingt Hersteller zudem, recyclingfähigere Verpackungen zu gestalten, aber die Kontrolle durch Siegel geht oft weit darüber hinaus.

Echtes Vertrauen entsteht durch Transparenz. Ein seriöser Hersteller, der wirklich nachhaltig wirtschaftet, wird stolz darauf sein, seine Produkte von einer unabhängigen Stelle zertifizieren zu lassen. Nehmen Sie sich beim nächsten Einkauf einen Moment Zeit, um die Verpackung nach diesen kleinen, aber aussagekräftigen Logos abzusuchen.

Ihr 5-Punkte-Check gegen Greenwashing:

  1. Siegel prüfen: Suchen Sie nach anerkannten Siegeln wie NATRUE, BDIH oder COSMOS. Fehlen diese komplett, ist Skepsis angebracht.
  2. Vollständige Inhaltsstoffliste (INCI): Ist die Liste leicht zu finden und verständlich? Vage Begriffe wie „pflanzliche Extrakte“ ohne genaue Angabe sind ein Warnsignal.
  3. Verpackungsmaterial hinterfragen: Ist die „Bambus“-Dose schwer und hart wie Plastik? Wahrscheinlich ist es ein Melamin-Gemisch. Echtes Holz oder Glas ist meist die bessere Wahl.
  4. Herkunft der Rohstoffe: Gibt die Marke Auskunft darüber, woher die Inhaltsstoffe kommen? Transparenz ist ein Zeichen von Seriosität.
  5. Preis-Check: Ist das Produkt verdächtig günstig? Echte Bio-Rohstoffe und faire Produktionsbedingungen haben ihren Preis. Extreme Billigangebote sind oft zu gut, um wahr zu sein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gewinn statt Verzicht: Der Wechsel zu festen Produkten wie Shampoo-Bars spart nicht nur eine erhebliche Menge Plastik, sondern ist auf lange Sicht auch finanziell günstiger.
  • Die Kraft der Region: Heimische Wirkstoffe aus Deutschland, wie Sanddorn von der Ostsee, haben oft eine bessere CO2-Bilanz und sind genauso wirksam wie exotische Importe.
  • Unsichtbare Helfer: Die größten Einsparungen erzielen Sie oft nicht durch Verzicht, sondern durch intelligente Technologie (wassersparende Duschköpfe) und Wissen (richtige Mülltrennung, Waschmittelwahl).

Warum setzt Ihre Fleecejacke bei jeder Wäsche tausende Plastikfasern frei und wie stoppen Sie das?

Eines der größten, aber unsichtbarsten Plastikprobleme in unseren Gewässern hat seinen Ursprung in unserer Waschmaschine: Mikrofasern. Synthetische Textilien wie Polyester, Acryl oder Polyamid – die Hauptbestandteile von Fleecejacken, Sportkleidung und vielen modischen Stoffen – verlieren bei jeder Wäsche winzige Fasern. Eine einzige Wäsche einer Fleecejacke kann bis zu 1 Million Mikrofasern freisetzen. Diese gelangen über das Abwasser in Flüsse und Meere, wo sie von Meereslebewesen aufgenommen werden und so in unsere Nahrungskette gelangen.

Dieses Problem zu ignorieren, ist keine Option. Doch auch hier gibt es einfache und effektive Lösungen, die keinen Verzicht auf Ihre Lieblingskleidung erfordern. Anstatt die Kleidung nicht mehr zu waschen, können wir den Waschvorgang selbst optimieren, um den Faserabrieb zu minimieren. Kältere Waschtemperaturen, volle Waschladungen (weniger Reibung) und der Verzicht auf Weichspüler sind einfache erste Schritte mit großer Wirkung. Der entscheidende Gewinn für die Umwelt liegt jedoch in speziellen Filtersystemen.

Fallstudie: Guppyfriend – Berliner Innovation gegen Mikroplastik

Der in Berlin entwickelte Guppyfriend-Waschbeutel fängt nachweislich bis zu 90% der Mikrofasern auf, die beim Waschen synthetischer Kleidung freigesetzt werden. Bei einem Preis von rund 30€ und einer Lebensdauer von mehreren Jahren ist er eine der effektivsten und einfachsten Lösungen gegen Mikroplastik aus Textilien. Die aufgefangenen Fasern werden nach der Wäsche einfach aus dem Beutel gesammelt und im Restmüll entsorgt, anstatt sie auszuspülen und doch wieder ins Abwasser zu leiten.

Die Investition in einen solchen Waschbeutel ist eine einmalige, informierte Entscheidung, die einen jahrelangen, messbaren positiven Effekt hat. Es ist der perfekte Beweis dafür, dass wir mit cleveren Werkzeugen die negativen Auswirkungen unseres Konsums drastisch reduzieren können, ohne unseren Lebensstil komplett auf den Kopf stellen zu müssen. Es geht darum, die richtigen Hebel zu kennen und zu nutzen.

Indem Sie diese einfachen, aber wirkungsvollen Maßnahmen ergreifen, können Sie aktiv dazu beitragen, die unsichtbare Flut von Mikroplastik in unseren Gewässern zu stoppen.

Der Weg zu einem nachhaltigeren Leben beginnt nicht mit einem radikalen Schnitt, sondern mit dem ersten informierten Schritt. Beginnen Sie noch heute mit einer kleinen Veränderung, die Ihnen Freude bereitet. Ihr Badezimmer – und der Planet – werden es Ihnen danken.

Häufige Fragen zur Entsorgung von Kosmetikmüll in Deutschland

Warum werden schwarze Plastikverpackungen trotz Grünem Punkt oft verbrannt?

Schwarzer Kunststoff kann von den optischen Sortieranlagen in deutschen Recyclinganlagen nicht erkannt werden, da der Rußanteil das Infrarotlicht absorbiert. Aus diesem Grund werden solche Verpackungen oft als Restmüll aussortiert und thermisch verwertet (verbrannt), anstatt recycelt zu werden. Eine informierte Entscheidung wäre also, beim Kauf schwarze Plastikverpackungen möglichst zu meiden.

Wo entsorge ich elektrische Zahnbürsten korrekt?

Elektrische Zahnbürsten und ihre Ladestationen sind Elektrogeräte und gehören zum Elektroschrott. Sie dürfen auf keinen Fall in den Hausmüll. Sie müssen bei kommunalen Wertstoffhöfen oder in größeren Elektromärkten, die gesetzlich zur Rücknahme verpflichtet sind, kostenlos abgegeben werden.

Können leere Sprühdosen in den Gelben Sack?

Das hängt vom Inhalt ab. Nur vollständig entleerte Sprühdosen (z.B. Haarspray, Deo) ohne Gefahrstoffsymbol (wie die Flamme) dürfen in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne. Dosen mit Restinhalt oder einem Gefahrensymbol (z.B. bei Lacken oder Reinigungsschäumen) gelten als Sondermüll und müssen zum Schadstoffmobil oder zum Wertstoffhof gebracht werden.

Geschrieben von Aylin Demir, Aylin Demir ist Friseurmeisterin und Visagistin mit eigenem Salon in Berlin-Kreuzberg, bekannt für ihre Expertise in Typberatung und Haargesundheit. Sie liefert praktische Anleitungen für Pflege und Styling, die auch ohne Profi-Equipment zu Hause gelingen.