
Zu glauben, eine App oder das Label „natürlich“ schütze Sie vor Schadstoffen, ist die größte Illusion der Beauty-Branche.
- Flüssiges Plastik (Silikone, Polymere) versteckt sich hinter harmlos klingenden Namen und erzeugt nur ein künstliches Hautgefühl.
- „Natürliche“ Inhaltsstoffe wie ätherische Öle oder Pflanzenextrakte können stärkere allergische Reaktionen auslösen als inerte Synthetik.
- Die Verpackung ist oft reines Marketing: Eine Bambushülle bedeutet nicht, dass der Inhalt oder die Verpackung selbst nachhaltig ist.
Empfehlung: Entwickeln Sie die kritische Denkweise einer Chemikerin. Lernen Sie, die Strategie hinter der Zutatenliste zu entschlüsseln, anstatt nur einzelne Inhaltsstoffe abzuhaken.
Sie stehen vor dem Kosmetikregal, umgeben von Versprechen. „Reine Natur“, „wissenschaftlich bewiesen“, „samtweiche Haut“. Doch ein Blick auf die Rückseite, auf diese winzige, unverständliche INCI-Liste, lässt Sie zweifeln. Als gesundheitsbewusste Konsumentin, die der Chemie-Industrie zu Recht misstraut, haben Sie gelernt, auf Parabene oder Phthalate zu achten. Vielleicht nutzen Sie sogar eine App, um Barcodes zu scannen. Aber reicht das wirklich aus? Was, wenn die Industrie Ihnen längst einen Schritt voraus ist und die wahren Problemstoffe hinter neuen, unverdächtigen Namen oder trügerischen Texturen versteckt?
Die Wahrheit ist, dass wir alle täglich einer Flut von Chemikalien ausgesetzt sind. Mehr als fünf Kilogramm Kosmetik nutzen wir jährlich pro Person – eine enorme Menge, die über die Haut in unseren Körper gelangt. Das Problem ist tiefgreifender als ein einzelner „böser“ Inhaltsstoff. Es geht um flüssiges Plastik, das unsere Poren versiegelt, um Duftstoffe, die Allergien auslösen, und um ein Marketingsystem, das uns mit grünen Verpackungen täuscht. Die Antwort liegt nicht darin, eine endlose Liste von Chemikalien auswendig zu lernen. Sie liegt darin, die Methode zu verstehen.
Dieser Artikel verfolgt daher einen anderen Ansatz. Statt Ihnen eine weitere Verbotsliste zu geben, verleiht er Ihnen die analytische Brille einer Chemikerin für Naturkosmetik. Sie werden lernen, die verräterischen Zeichen von „Greenwashing“ zu erkennen, die Stabilität einer Formulierung zu bewerten und zu verstehen, warum „natürlich“ nicht immer „besser“ oder „sicherer“ bedeutet. Es ist an der Zeit, die Kontrolle zurückzugewinnen – nicht durch Misstrauen, sondern durch überlegenes Wissen.
In diesem Leitfaden entschlüsseln wir Schritt für Schritt die Geheimnisse der Kosmetikindustrie. Wir tauchen tief in die INCI-Listen ein, um Ihnen die Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen Sie fundierte und sichere Entscheidungen für Ihre Haut und Ihre Gesundheit treffen können.
Inhaltsverzeichnis: Ihr Weg zur INCI-Expertin
- Flüssiges Plastik in Cremes: Warum erkennen Sie es nicht und was macht es mit Ihrem Körper?
- Alkohol oder Ätherische Öle: Welcher natürliche Konservierer reizt Ihre Haut am wenigsten?
- Natur-Look vs. Zertifikat: Woran erkennen Sie, ob die Bambus-Verpackung nur Marketing ist?
- Warum schimmelt Ihre DIY-Creme nach 3 Tagen und wie verhindern Sie das sicher?
- Ist „natürlich“ immer „besser“? Warum reagieren viele Frauen auf Kamille heftiger als auf Synthetik?
- Die Gefahr von Azo-Farbstoffen in billigen Basics, die Ihre Hautgesundheit gefährden
- Wie verhindern Sie, dass Ihre Yoga-Hose beim Waschen die Meere verschmutzt?
- Drogerie oder Parfümerie: Wann lohnt sich der 50-Euro-Aufpreis für eine Creme wirklich?
Flüssiges Plastik in Cremes: Warum erkennen Sie es nicht und was macht es mit Ihrem Körper?
Das Gefühl ist vertraut: Sie tragen eine Creme auf und Ihre Haut fühlt sich sofort seidig glatt an. Dieser „Sofort-Effekt“ ist oft keine echte Pflege, sondern eine kosmetische Illusion, erzeugt durch flüssiges Plastik. Gemeint sind damit Silikone, Acrylate und andere Polymere, die sich als hauchdünner Film auf die Haut legen. Sie füllen Fältchen optisch auf und verhindern den Feuchtigkeitsverlust – allerdings versiegeln sie die Haut auch. Darunter können sich Schmutz und Bakterien ansammeln, was zu Unreinheiten führen kann. Langfristig wird die natürliche Hautbarriere geschwächt, da die Haut „verlernt“, sich selbst zu regulieren.
Das größte Problem ist die Tarnung. Sie finden diese Stoffe unter Namen wie Dimethicone, Cyclopentasiloxane oder Acrylates Copolymer. Für Laien klingen sie nicht sofort nach Plastik, doch ihre Wirkung ist rein physikalisch und nicht pflegend. Laut einer Studie des BUND enthalten mehr als jedes vierte der Pflege- und Kosmetikprodukte auf dem deutschen Markt hormonell wirksame Chemikalien oder Mikroplastik. Diese Stoffe gelangen über das Abwasser in die Umwelt, wo sie kaum abgebaut werden können.

Die unsichtbare Gefahr dieser Substanzen liegt in ihrer bioakkumulativen Eigenschaft. Sie lagern sich im Körper und in der Umwelt an. Während die direkte Auswirkung auf die Haut oft nur ein oberflächlicher, okklusiver Effekt ist, ist die langfristige Belastung für den Organismus und die Ökosysteme eine ernstzunehmende Bedrohung. Eine wirklich gesunde Hautpflege stärkt die Haut von innen heraus, anstatt sie mit einem synthetischen Film zu überziehen.
Alkohol oder Ätherische Öle: Welcher natürliche Konservierer reizt Ihre Haut am wenigsten?
Im Streben nach „sauberer“ Kosmetik meiden viele Konsumentinnen synthetische Konservierungsstoffe wie Parabene und greifen zu Produkten, die mit „natürlichen“ Alternativen werben. Die zwei häufigsten sind Alkohol und ätherische Öle. Doch hier beginnt das, was ich das allergene Paradoxon nenne: Eine Substanz natürlichen Ursprungs ist nicht automatisch sanfter zur Haut. Reiner Alkohol (Alcohol Denat.) in hohen Konzentrationen kann die Hautbarriere austrocknen und reizen. Er wird jedoch oft in der Naturkosmetik eingesetzt, weil er effektiv gegen Bakterien wirkt.
Ätherische Öle, gewonnen aus Pflanzen wie Lavendel, Rose oder Zitrusfrüchten, bringen nicht nur Duft, sondern auch konservierende Eigenschaften mit. Ihre Kehrseite ist jedoch ihr hohes allergenes Potenzial. Viele ihrer natürlichen Bestandteile müssen auf der INCI-Liste separat deklariert werden, weil sie bekannte Kontaktallergene sind. Dazu gehören Linalool, Geraniol oder Limonene. Eine sensible Haut kann auf diese konzentrierten Pflanzenstoffe mit Rötungen, Juckreiz oder sogar Ekzemen reagieren – manchmal heftiger als auf einen gut formulierten synthetischen Konservierer.
Die folgende Tabelle zeigt einige der häufigsten deklarationspflichtigen Duftstoffe und ihr allergenes Potenzial, basierend auf einer Analyse der PTAheute für Dermokosmetik.
| Duftstoff | INCI-Bezeichnung | Allergenes Potenzial | Deklarationspflicht |
|---|---|---|---|
| Zitronenschalenöl | Citral | Hoch | Ab 31. Juli 2026 bei 81 statt 26 Duftstoffen |
| Zitruspflanzen | Limonene | Mittel-Hoch | Ja, bei bestimmter Konzentration |
| Koriander/Lavendel | Linalool | Mittel | Ja, bei bestimmter Konzentration |
| Tonkabohne | Coumarin | Mittel | Ja, bei bestimmter Konzentration |
| Geranien/Rosen | Geraniol | Mittel | Ja, bei bestimmter Konzentration |
Die Entscheidung hängt letztlich vom individuellen Hauttyp ab. Eine robuste, unempfindliche Haut verträgt Alkohol oder ätherische Öle meist problemlos. Wer jedoch zu Allergien oder Reizungen neigt, ist mit Produkten, die auf diese starken natürlichen Wirkstoffe verzichten, oft besser beraten. Hier zeigt sich, dass der Formulierungskontext entscheidend ist: Es geht nicht nur darum, was drin ist, sondern auch in welcher Konzentration und Kombination.
Natur-Look vs. Zertifikat: Woran erkennen Sie, ob die Bambus-Verpackung nur Marketing ist?
Die Kosmetikindustrie hat erkannt, dass Nachhaltigkeit ein starkes Kaufargument ist. Das Ergebnis ist eine Welle des „Greenwashings“, bei der Produkte durch ihre Verpackung natürlicher und umweltfreundlicher erscheinen, als sie sind. Ein Deckel aus Bambus, ein Etikett in erdigen Tönen oder eine Schachtel aus Recycling-Karton – all das sind Signale, die uns ein gutes Gewissen machen sollen. Doch oft handelt es sich um eine rein materielle Irreführung. Eine Plastikverpackung wird durch einen Bambusdeckel nicht nachhaltiger, insbesondere wenn der Bambus mit Melaminharz verklebt ist und somit nicht recycelbar wird.
Wahre Nachhaltigkeit ist komplexer als nur das Aussehen. Sie betrifft das Material (ist es recycelbar oder ein Verbundstoff?), das Gewicht (weniger Material ist besser) und die Möglichkeit des Nachfüllens (Refill-Systeme). Echte Naturkosmetik-Marken, die es ernst meinen, setzen auf anerkannte Siegel wie NATRUE, BDIH/COSMOS oder Ecocert. Diese Zertifikate garantieren nicht nur, dass die Inhaltsstoffe bestimmten Kriterien entsprechen, sondern oft auch, dass die Verpackung umweltfreundlicher gestaltet ist. Ein Siegel ist immer ein verlässlicheres Zeichen als ein grünes Blatt auf dem Etikett.
Selbst Konsumentenschutzorganisationen sehen die Notwendigkeit für strengere Regeln. So fordert der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Österreich, dass hormonell wirksame Chemikalien in Kosmetika gar nicht erst enthalten sein sollten. Diese Forderung geht über die aktuelle gesetzliche Lage hinaus und unterstreicht die Lücke zwischen Marketing-Versprechen und echtem Verbraucherschutz.
Ihr Audit-Plan: Echte Nachhaltigkeit bei Verpackungen erkennen
- Material prüfen: Bevorzugen Sie Monomaterialien wie reines Glas, PET oder PP. Diese sind am besten recycelbar. Suchen Sie nach den entsprechenden Recycling-Codes.
- Verbundstoffe meiden: Seien Sie skeptisch bei Materialmischungen wie Bambusdeckeln mit Plastikgewinde oder beschichtetem Karton. Diese sind oft nicht trennbar und landen im Restmüll.
- Auf Refill-Optionen achten: Prüfen Sie, ob die Marke Nachfüllpackungen anbietet. Dies ist ein starkes Indiz für ein echtes Engagement zur Müllvermeidung.
- Zertifikate suchen: Verlassen Sie sich mehr auf offizielle Siegel (z.B. der Grüne Punkt für die Teilnahme am dualen System in Deutschland) als auf die reine Optik der Verpackung.
- Minimalismus bevorzugen: Weniger ist mehr. Produkte mit unnötigen Umverpackungen, Beipackzetteln in Hochglanz oder schweren Tiegeln, die nur Luxus suggerieren, sind selten nachhaltig.
Lassen Sie sich nicht von der Fassade täuschen. Eine kritische Analyse der Verpackung ist der erste Schritt, um Marken zu identifizieren, die Nachhaltigkeit wirklich leben, von jenen, die sie nur als Marketinginstrument nutzen.
Warum schimmelt Ihre DIY-Creme nach 3 Tagen und wie verhindern Sie das sicher?
Der Reiz von Do-It-Yourself (DIY)-Kosmetik ist groß: volle Kontrolle über die Inhaltsstoffe, keine unerwünschten Chemikalien und das gute Gefühl, etwas selbst hergestellt zu haben. Doch die Freude währt oft nur kurz. Nach wenigen Tagen entdeckt man einen pelzigen Belag auf der Oberfläche – Schimmel. Der Grund dafür ist ein zentrales Prinzip der Formulierungschemie: die mikrobiologische Stabilität. Sobald eine Rezeptur Wasser enthält (Aqua, Hydrolate), wird sie zum idealen Nährboden für Bakterien, Hefen und Schimmelpilze.
Kommerzielle Produkte enthalten ein ausgeklügeltes Konservierungssystem, das genau darauf ausgelegt ist, das Produkt über Monate oder Jahre stabil zu halten. Dieses System muss strenge mikrobiologische Belastungstests gemäß der EU-Kosmetikverordnung bestehen. Zu Hause fehlt diese Expertise. Einfach ein paar Tropfen ätherisches Öl oder Vitamin E (Tocopherol) hinzuzufügen, reicht nicht aus, um eine wasserhaltige Creme sicher zu konservieren. In der EU sind mittlerweile über 10.000 Inhaltsstoffe für Kosmetika zugelassen, darunter eine Vielzahl an spezialisierten Konservierern, die in Heimlaboren nicht verfügbar sind.

Um das Risiko zu minimieren, gibt es zwei sichere Wege für DIY-Kosmetik:
- Auf Wasser verzichten: Stellen Sie rein ölbasierten Produkte wie Körperbutter, Salben oder Gesichtsöle her. Ohne Wasser haben Mikroorganismen keine Lebensgrundlage.
- Für den sofortigen Verbrauch produzieren: Mischen Sie nur kleinste Mengen an, die Sie innerhalb von 1-2 Tagen aufbrauchen und im Kühlschrank lagern. Dies gilt insbesondere für Gesichtsmasken mit frischen Zutaten.
Alles andere ist ein hygienisches Risiko. Eine kontaminierte Creme auf die Haut aufzutragen, kann zu schweren Hautreizungen, Infektionen oder allergischen Reaktionen führen. Die Herstellung sicherer Kosmetik ist eine Wissenschaft, die höchste Hygienestandards erfordert.
Ist „natürlich“ immer „besser“? Warum reagieren viele Frauen auf Kamille heftiger als auf Synthetik?
Die Angst vor synthetischen Chemikalien ist nicht unbegründet. Hormonell wirksame Substanzen wie bestimmte UV-Filter oder Parabene sind im menschlichen Körper nachweisbar und stehen im Verdacht, unsere Gesundheit zu beeinträchtigen. Die Europäische Union führt auf ihrer Verdachtsliste 194 Chemikalien in der höchsten Kategorie, die potenziell als endokrine Disruptoren wirken können. Diese Stoffe aus Kosmetika im Blut, Urin und sogar in der Muttermilch nachzuweisen, ist alarmierend und rechtfertigt den Wunsch nach „sauberen“ Alternativen.
Doch dieser verständliche Impuls führt oft zu dem Trugschluss, dass „natürlich“ automatisch „sicher“ oder „besser“ bedeutet. Hier stoßen wir erneut auf das allergene Paradoxon. Eine Pflanze ist ein hochkomplexes chemisches Labor, das Hunderte von verschiedenen Substanzen enthält – viele davon, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Diese bioaktiven Stoffe können auf unserer Haut ebenso starke Reaktionen auslösen. Kamille zum Beispiel, Inbegriff der sanften Pflege, gehört zur Familie der Korbblütler und ist ein bekanntes Allergen. Menschen mit einer entsprechenden Sensibilisierung können darauf mit starken Hautreizungen reagieren.
Im Gegensatz dazu stehen viele moderne, synthetische Inhaltsstoffe. Ein hochreines, inertes Silikonöl (wie Dimethicone) zum Beispiel hat chemisch gesehen kaum Interaktionspotenzial mit der Haut. Es löst extrem selten Allergien aus, weil es nicht mit dem biologischen System der Haut reagiert. Es legt sich lediglich auf die Oberfläche. Während seine okklusive Wirkung kritisch zu sehen ist, ist sein allergenes Potenzial verschwindend gering im Vergleich zu den ätherischen Ölen vieler Pflanzen. Die Wahrheit ist: Ihre Haut unterscheidet nicht zwischen „natürlich“ und „synthetisch“, sondern nur zwischen „verträglich“ und „unverträglich“. Für eine Allergikerin kann eine hypoallergene, synthetische Formulierung die weitaus bessere Wahl sein als eine hochkonzentrierte Naturkosmetik-Creme.
Die Gefahr von Azo-Farbstoffen in billigen Basics, die Ihre Hautgesundheit gefährden
Farbstoffe in Kosmetik dienen rein ästhetischen Zwecken, doch ihre chemische Natur kann problematisch sein. Auf der INCI-Liste werden sie durch eine CI-Nummer (Colour Index) gekennzeichnet, zum Beispiel CI 77491 für rotes Eisenoxid. Besonders kritisch zu betrachten sind synthetische Azo-Farbstoffe, die in günstiger dekorativer Kosmetik, aber auch in gefärbten Textilien wie T-Shirts oder Unterwäsche zu finden sind. Einige dieser Farbstoffe können unter bestimmten Bedingungen aromatische Amine freisetzen, von denen einige als krebserregend gelten. Obwohl in der EU viele gefährliche Azo-Farbstoffe verboten sind, können Produkte aus Nicht-EU-Ländern oder sehr billige Textilien immer noch ein Risiko darstellen.
Die Kennzeichnung von Farbstoffen hat ihre eigenen Regeln. Wie die folgende Tabelle verdeutlicht, kann die Deklaration je nach Funktion und Konzentration variieren. Dies ist ein weiteres Beispiel für die Komplexität der INCI-Liste, die eine genaue Analyse erfordert.
| Kennzeichnung | Bedeutung | Beispiel | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| CI + 5 Ziffern | Colour Index Nummer | CI 77891 | Farbstoffe mit dem Colour Index (CI) gekennzeichnet |
| +/- vor CI | „Kann enthalten“-Regel | [+/- CI 77491] | Farbstoffe, die der Hersteller in der gesamten Produktpalette verwendet |
| Titanium Dioxide | Als UV-Filter | Titanium Dioxide | Dient es als UV-Filter, wird es als Titanium Dioxide deklariert |
| (Nano) | Nanopartikel | Titanium Dioxide (Nano) | Partikelgröße unter 100 Nanometern |
Die ständige Exposition gegenüber problematischen Chemikalien, sei es aus Kosmetik oder Textilien, ist ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko. Wie der BUND in einer Studie zu hormonell wirksamen Stoffen feststellt, werden im menschlichen Körper Konzentrationen erreicht, die im Tierversuch bereits gesundheitsschädlich waren. In den Worten der Experten:
Tatsächlich weisen Wissenschaftler im menschlichen Blut regelmäßig eine ganze Reihe hormonell wirksamer Chemikalien nach, darunter auch Parabene und UV-Filter aus der Kosmetik. Dabei werden teilweise bereits Konzentrationen erreicht, die im Tierversuch zu Gesundheitsschäden geführt haben.
Dies unterstreicht die Notwendigkeit, nicht nur auf die Inhaltsstoffe von Cremes, sondern auch auf die Qualität und Herkunft unserer Kleidung zu achten, die in direktem Kontakt mit unserer Haut steht.
Wie verhindern Sie, dass Ihre Yoga-Hose beim Waschen die Meere verschmutzt?
Das Bewusstsein für Mikroplastik in Kosmetikprodukten wie Peelings oder Zahnpasta ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Der Druck von Verbrauchern und Umweltorganisationen hat Früchte getragen: Seit Oktober 2023 ist der Verkauf von Kosmetika mit zugesetztem Mikroplastik in der EU schrittweise verboten. Dies ist ein wichtiger Sieg für die Umwelt. Doch eine oft übersehene und weitaus größere Quelle für Mikroplastik-Verschmutzung ist unsere eigene Waschmaschine. Synthetische Textilien wie Polyester, Polyamid oder Elasthan, aus denen Sportkleidung, Fleece-Pullover und eben auch Yoga-Hosen bestehen, verlieren bei jedem Waschgang Tausende winziger Fasern.
Diese Mikrofasern sind zu klein, um von Kläranlagen effektiv gefiltert zu werden. Sie gelangen in Flüsse und Meere, wo sie von Meereslebewesen aufgenommen werden und so in unsere Nahrungskette gelangen. Das Problem ist also nicht gelöst, nur weil es aus unseren Cremes verschwindet. Die Verantwortung verlagert sich ein Stück weit in unseren eigenen Haushalt. Glücklicherweise gibt es auch hier Lösungsansätze. Spezielle Waschbeutel (z.B. der Guppyfriend) oder Filter für die Waschmaschine können einen Großteil dieser Fasern auffangen, bevor sie ins Abwasser gelangen.
Auch die Industrie reagiert langsam. Apps wie der ToxFox des BUND, ursprünglich zur Erkennung hormoneller Schadstoffe in Kosmetik entwickelt, wurden erweitert. Sie helfen Verbrauchern nun auch, Mikroplastik in Produkten zu identifizieren, was den Druck auf die Hersteller weiter erhöht, auf umweltfreundlichere Alternativen umzusteigen. Um die Verschmutzung effektiv zu bekämpfen, müssen wir das Problem an der Wurzel packen: beim Kauf auf natürliche Materialien wie Baumwolle, Leinen oder Wolle setzen und unsere Waschgewohnheiten anpassen. Weniger häufig und bei niedrigeren Temperaturen zu waschen, schont nicht nur die Kleidung, sondern auch die Umwelt.
Das Wichtigste in Kürze
- Seien Sie skeptisch bei Texturen: Ein seidig-glattes Hautgefühl ist oft das Ergebnis von Silikonen (flüssigem Plastik), nicht von echter Pflege. Suchen Sie nach Namen, die auf „-cone“ oder „-xane“ enden.
- Akzeptieren Sie das allergene Paradoxon: „Natürlich“ ist nicht immer sanfter. Konzentrierte ätherische Öle (Limonene, Linalool) sind starke Allergene. Testen Sie neue Produkte immer zuerst in der Armbeuge.
- Entschlüsseln Sie die Verpackung: Ein Bambusdeckel macht ein Produkt nicht nachhaltig. Verlassen Sie sich auf anerkannte Siegel (z.B. NATRUE, COSMOS) und recycelbare Monomaterialien statt auf Greenwashing-Optik.
Drogerie oder Parfümerie: Wann lohnt sich der 50-Euro-Aufpreis für eine Creme wirklich?
Die Preisspanne bei Hautpflegeprodukten ist enorm. Eine Feuchtigkeitscreme kann 5 Euro in der Drogerie oder 150 Euro in der Parfümerie kosten. Rechtfertigt ein hoher Preis eine bessere Qualität? Als Chemikerin lautet meine Antwort: nicht zwangsläufig. Der Preis eines Produkts setzt sich aus vielen Faktoren zusammen: Marketing, Verpackung, Markenimage und erst dann aus den Kosten der Inhaltsstoffe. Eine teure Creme in einem schweren Glastiegel, beworben von einem Hollywood-Star, enthält oft dieselben Basis-Inhaltsstoffe wie ein günstiges Drogerieprodukt: Wasser (Aqua), Glyzerin und einfache Fette.
Der Unterschied – und damit die mögliche Rechtfertigung für einen höheren Preis – liegt im Detail des Formulierungskontextes. Eine teurere Creme kann höher konzentrierte oder seltenere Wirkstoffe enthalten, zum Beispiel spezielle Peptide, biotechnologisch hergestellte Hyaluronsäure in verschiedenen Molekülgrößen oder stabile Formen von Vitamin C. Zudem investieren Premium-Marken oft mehr in Forschung, um die Wirksamkeit und Stabilität ihrer Formulierungen durch Studien zu belegen. Der Aufpreis lohnt sich also dann, wenn Sie gezielt nach einem hochdosierten Spezial-Wirkstoff suchen, dessen Wirksamkeit belegt ist und der in der günstigeren Alternative nicht oder nur in homöopathischer Dosis enthalten ist.

Um dies zu beurteilen, müssen Sie die INCI-Liste lesen können. Steht Ihr gewünschter Wirkstoff (z.B. Retinol, Niacinamide) weit oben in der Liste, ist er wahrscheinlich in relevanter Konzentration enthalten. Findet er sich erst nach dem Konservierungsstoff (z.B. Phenoxyethanol) oder den Duftstoffen (Parfum), ist seine Konzentration unter 1 % und die Wirkung fraglich. Oftmals bietet eine gut formulierte, reizarme Creme aus der Drogerie für 15 Euro eine bessere tägliche Basispflege als ein überteuertes Luxusprodukt voller Duftstoffe und Silikone.
Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Produkte mit den Augen einer Chemikerin zu analysieren. Ihre Haut und Ihr Geldbeutel werden es Ihnen danken, wenn Sie informierte Entscheidungen treffen, die auf Wissen und nicht auf Marketing-Versprechen beruhen.