
Das Gefühl trockener Haut ist kein Zeichen für einen Mangel an Feuchtigkeit, sondern für eine gestörte Barriere, die sie nicht halten kann.
- Hyaluronsäure kann die Haut in trockener Heizungsluft paradoxerweise sogar austrocknen, wenn sie nicht korrekt versiegelt wird.
- Die Lösung liegt nicht im Hinzufügen von mehr Wasser, sondern in der physikalischen Reduktion des transepidermalen Wasserverlusts (TEWL) durch Okklusion.
Empfehlung: Kombinieren Sie Feuchtigkeitsbinder (Humectants wie Glycerin) immer mit einer versiegelnden (okklusiven) Schicht, um die Feuchtigkeit effektiv in der Haut einzuschließen.
Sie cremen, Sie pflegen, Sie investieren in Seren und Tinkturen – und dennoch spannt Ihre Haut, fühlt sich trocken an und zeigt feine Linien. Dieses weitverbreitete Phänomen ist für viele Frauen eine Quelle der Frustration. Die gängigen Ratschläge, wie mehr Wasser zu trinken oder einfach eine „reichhaltigere“ Creme zu verwenden, führen oft nicht zum gewünschten Ergebnis. Man greift zu Hyaluronsäure, dem vermeintlichen Wundermittel, und ist enttäuscht, wenn sich die Situation nicht bessert oder sogar verschlimmert.
Doch was, wenn das Problem nicht in der Zufuhr, sondern im Verlust von Wasser liegt? Hier kommt ein fundamentaler biophysikalischer Prozess ins Spiel: der transepidermale Wasserverlust, kurz TEWL. Dies beschreibt die kontinuierliche, passive Verdunstung von Wasser aus den tieferen Hautschichten durch das Stratum corneum, die äußerste Schicht der Epidermis. Eine gesunde Hautbarriere reguliert diesen Prozess effizient. Ist sie jedoch gestört, entweicht Feuchtigkeit unkontrolliert – die Haut wird trocken, egal wie viel Feuchtigkeit Sie von außen zuführen.
Die wahre Lösung liegt nicht darin, die Haut zu „ertränken“, sondern darin, ihre Barriere-Architektur zu verstehen und zu stärken. Es geht um ein intelligentes Management des TEWL-Gleichgewichts. Dieser Artikel bricht mit oberflächlichen Ratschlägen und taucht in die wissenschaftlichen Mechanismen ein. Wir analysieren, warum bestimmte Wirkstoffe unter spezifischen Bedingungen versagen und wie eine strategische Kombination aus Anziehung (Humectants) und Versiegelung (Okklusiva) die einzige nachhaltige Antwort ist.
Um dieses komplexe Thema systematisch zu erschließen, gliedert sich der Artikel in logische Schritte. Wir werden die physikalischen Prinzipien hinter der Hautfeuchtigkeit entschlüsseln und daraus eine fundierte Pflegestrategie ableiten.
Inhaltsverzeichnis: Eine wissenschaftliche Strategie gegen trockene Haut
- Warum trocknet Hyaluron Ihre Haut aus, wenn die Luftfeuchtigkeit im Raum zu niedrig ist?
- Hilft Wassertrinken wirklich gegen trockene Haut oder ist das ein Mythos?
- Warum ist das billige Glycerin oft wirksamer als exotische Extrakte?
- Vaseline oder Bienenwachs: Wann müssen Sie die Feuchtigkeit physikalisch einschließen („Slugging“)?
- Wie oft sind Tuchmasken sinnvoll und wann weichen sie die Hautbarriere zu sehr auf?
- Wie bestimmen Sie Ihren Hauttyp in 30 Minuten mit einem einfachen Klebestreifen-Test?
- Niacinamid und Vitamin C: Dürfen Sie diese Power-Stoffe wirklich nicht mischen?
- Drogerie oder Parfümerie: Wann lohnt sich der 50-Euro-Aufpreis für eine Creme wirklich?
Warum trocknet Hyaluron Ihre Haut aus, wenn die Luftfeuchtigkeit im Raum zu niedrig ist?
Hyaluronsäure (HA) ist ein Humectant, ein Molekül mit der beeindruckenden Fähigkeit, ein Vielfaches seines Eigengewichts an Wasser zu binden. In der Hautpflege wird es eingesetzt, um Feuchtigkeit anzuziehen und die Haut praller erscheinen zu lassen. Doch sein Wirkmechanismus ist ein zweischneidiges Schwert, das vom Prinzip des osmotischen Drucks abhängt: Wasser bewegt sich immer von einem Bereich hoher Konzentration zu einem Bereich niedriger Konzentration. In einer Umgebung mit hoher Luftfeuchtigkeit zieht das HA-Molekül Wasser aus der Luft an und leitet es in die Haut. Das ist der Idealfall.
Das Problem, das sogenannte Feuchtigkeits-Paradoxon, tritt in Umgebungen mit niedriger Luftfeuchtigkeit auf. Gerade im Winter in Deutschland kann die Luftfeuchtigkeit in zentral beheizten Räumen oft unter 30 % fallen. In einem solchen Szenario findet das auf der Hautoberfläche befindliche Hyaluron in der Umgebungsluft nicht genügend Wasser. Um sein Bindungsbedürfnis zu befriedigen, bedient es sich der nächstgelegenen Wasserquelle: den tieferen Schichten Ihrer eigenen Haut. Es zieht Feuchtigkeit aus der Dermis an die Oberfläche, wo sie durch den TEWL schnell verdunstet. Das Ergebnis: Die Haut wird paradoxerweise trockener und spannender als zuvor.

Die Lösung liegt in der „Sandwich-Technik“, bei der das Hyaluron-Serum zwischen zwei feuchten Schichten „eingesperrt“ wird. Dies stellt sicher, dass das Molekül ausreichend Wasser zur Verfügung hat und dieses nicht aus Ihrer Haut ziehen muss. Anschließend muss die Feuchtigkeit mit einem Okklusivum versiegelt werden.
- Schritt 1: Gesicht mit lauwarmem Wasser reinigen und noch leicht feucht lassen.
- Schritt 2: Thermalwasserspray oder destilliertes Wasser aufsprühen für zusätzliche Feuchtigkeit.
- Schritt 3: Hyaluronsäure-Serum auf die feuchte Haut auftragen und sanft einklopfen.
- Schritt 4: Innerhalb von 30 Sekunden eine okklusive Feuchtigkeitscreme darüber auftragen, um die Feuchtigkeit zu versiegeln.
Hilft Wassertrinken wirklich gegen trockene Haut oder ist das ein Mythos?
Die Empfehlung, bei trockener Haut mehr Wasser zu trinken, ist einer der hartnäckigsten Mythen in der Hautpflege. Aus biophysikalischer Sicht ist diese Annahme logisch fehlerhaft. Natürlich ist eine ausreichende systemische Hydratation für die allgemeine Gesundheit und Organfunktion, einschließlich der Haut, unerlässlich. Jedoch hat eine Erhöhung der Wasserzufuhr über den normalen Bedarf hinaus bei einer gesunden Person keinen direkten, messbaren Einfluss auf die Hydratation der obersten Hautschicht, des Stratum corneum.
Der Grund liegt in der Homöostase des Körpers. Die Verteilung von Wasser wird streng reguliert. Überschüssiges Wasser wird einfach über die Nieren ausgeschieden und erreicht nicht in relevanten Mengen die Epidermis, um den TEWL auszugleichen. Der transepidermale Wasserverlust ist ein passiver, physikalischer Prozess der Verdunstung an der Oberfläche. Die Menge ist relativ gering; Messungen des transepidermalen Wasserverlusts zeigen, dass er sich bei gesunder Haut auf etwa 300-400 ml pro Tag beläuft. Dies steht in keinem Verhältnis zur Wasserzufuhr durch Trinken.
Man muss den TEWL von aktivem Schwitzen unterscheiden, bei dem der Körper zur Thermoregulation pro Stunde mehrere Liter Wasser abgeben kann. Die Bekämpfung des TEWL durch Trinken ist, als würde man versuchen, ein leckes Dach von innen mit einem Eimer Wasser zu flicken, anstatt das Loch von außen zu schließen. Die einzige wirksame Methode, die Feuchtigkeit im Stratum corneum zu erhöhen und zu halten, ist die topische Anwendung von Substanzen, die entweder Wasser binden (Humectants) oder dessen Verdunstung verhindern (Okklusiva).
Warum ist das billige Glycerin oft wirksamer als exotische Extrakte?
In der Welt der Kosmetik wird oft mit exotischen, seltenen und teuren Pflanzenextrakten geworben. Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Wirksamkeit eines Inhaltsstoffs jedoch weniger von seinem Preis oder seiner Herkunft abhängig als von zwei Faktoren: seiner molekularen Wirkungsweise und seiner Konzentration im Endprodukt. Hier glänzt ein oft unterschätzter Wirkstoff: Glycerin. Glycerin ist ein kleines, hochwirksames Humectant, das Wasser aus der Umgebung und den tieferen Hautschichten anzieht und in der obersten Hautschicht bindet.
Die entscheidende Frage ist die Position in der INCI-Liste (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients), die die Inhaltsstoffe in absteigender Reihenfolge ihrer Konzentration auflistet. Wirkstoffe, die vor dem Konservierungsmittel (z.B. Phenoxyethanol) oder dem Parfum stehen, sind in der Regel in relevanten Konzentrationen enthalten. Glycerin findet sich in vielen effektiven Drogerieprodukten oft an zweiter oder dritter Stelle, was auf eine Konzentration von 5-10% hindeutet – ein Bereich, in dem seine Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist.
Im Gegensatz dazu werden viele teure „Wunder-Extrakte“ oft nur in Konzentrationen von unter 1% eingesetzt (weit hinten in der INCI-Liste), was primär Marketingzwecken dient und keinen signifikanten Einfluss auf den TEWL hat. Die folgende Tabelle verdeutlicht die Wirkstoff-Hierarchie.
| Position in INCI-Liste | Typische Konzentration | Wirksamkeit für TEWL-Reduktion |
|---|---|---|
| Top 5 (Glycerin) | 5-10% | Wissenschaftlich belegt |
| Nach Parfum/Phenoxyethanol | <1% | Meist nur Marketing |
| Hyaluronsäure | 0,1-2% | Stark wirksam trotz geringer Konzentration |
Diese Analyse der Inhaltsstoff-Hierarchie zeigt, dass eine einfache, aber hochkonzentrierte Formel oft überlegen ist. Hyaluronsäure ist hier eine Ausnahme, da sie bereits in sehr geringen Konzentrationen stark wirksam ist. Für die Basis-Hydratation ist Glycerin jedoch ein unschlagbarer und kosteneffizienter Held.
Vaseline oder Bienenwachs: Wann müssen Sie die Feuchtigkeit physikalisch einschließen („Slugging“)?
Nachdem wir die Rolle der Humectants (Feuchtigkeitsanzieher) verstanden haben, kommen wir zum entscheidenden zweiten Schritt: der Okklusion, dem physikalischen Einschließen der Feuchtigkeit. Ohne eine okklusive Schicht verdunstet die von Humectants wie Glycerin oder Hyaluron gebundene Feuchtigkeit einfach von der Hautoberfläche, insbesondere bei niedrigem TEWL. Der Trendbegriff dafür lautet „Slugging“. Okklusiva bilden eine physikalische Barriere auf der Haut, die die Verdunstung von Wasser drastisch reduziert.
Der Goldstandard unter den Okklusiva ist Petrolatum (Vaseline). Es ist chemisch inert, nicht-komedogen für die meisten Menschen und extrem wirksam. Wissenschaftliche Messungen der Okklusivität belegen, dass Petrolatum den TEWL um über 95% reduzieren kann. Andere Substanzen wie Dimethicon (ein Silikon) oder Mineralöl erreichen nur etwa 30%. Natürliche Alternativen wie Bienenwachs oder Lanolin sind ebenfalls gute Okklusiva, haben aber ein höheres Allergiepotenzial.
Der Einsatz von starker Okklusion ist jedoch nicht immer notwendig. Er ist dann indiziert, wenn die Hautbarriere stark kompromittiert ist, was sich durch extremes Spannungsgefühl, Rötungen oder Schuppung äußert. Dies ist oft im Winter der Fall oder nach zu aggressiven Behandlungen. Bei fettiger oder zu Akne neigender Haut sollte man vorsichtig sein und Okklusion nur auf die trockensten Stellen auftragen. Für eine sichere Anwendung folgen Sie diesen Schritten:
- Abends nach der Reinigung: Gesicht gründlich mit einem milden Reiniger säubern.
- Feuchtigkeitsserum auftragen: Ein Hyaluronsäure- oder Glycerin-basiertes Serum auf die noch leicht feuchte Haut einarbeiten.
- 5 Minuten warten: Das Serum einziehen lassen, die Haut sollte sich hydratisiert, aber nicht nass anfühlen.
- Erbsengroße Menge Petrolatum: Eine sehr dünne Schicht auf die besonders trockenen Stellen (z.B. Wangen, um die Nase) auftragen.
- T-Zone aussparen: Bei Mischhaut die bereits fettigen Bereiche freilassen, um Porenverstopfung zu vermeiden.
Wie oft sind Tuchmasken sinnvoll und wann weichen sie die Hautbarriere zu sehr auf?
Tuchmasken werden oft als schnelle Lösung für einen Feuchtigkeits-Boost vermarktet. Sie sind mit Seren getränkt, die typischerweise hohe Konzentrationen an Humectants wie Glycerin und Hyaluronsäure enthalten. Durch die Auflage der Maske wird eine temporäre okklusive Umgebung geschaffen, die das Eindringen der Wirkstoffe fördert. Kurzfristig führt dies zu einem sichtbaren Plumping-Effekt, da die oberste Hautschicht (Stratum corneum) mit Wasser vollgesogen wird.
Doch genau hier liegt auch die Gefahr: die sogenannte Mazeration. Bei zu häufiger oder zu langer Anwendung kann die konstante Feuchtigkeit die Lipidschichten der Hautbarriere aufweichen und desorganisieren. Stellen Sie es sich vor wie die „Schrumpelhaut“ an den Fingern nach einem langen Bad. Diese Aufweichung schwächt die Barrierefunktion und erhöht paradoxerweise nach dem Abnehmen der Maske den transepidermalen Wasserverlust (TEWL), sobald die oberflächliche Feuchtigkeit verdunstet ist. Der Effekt kehrt sich um.
Tuchmasken sind daher kein tägliches Pflegetool, sondern eine Intensivkur. Für eine trockene, feuchtigkeitsarme Haut sind sie maximal 1-2 Mal pro Woche für die empfohlene Einwirkzeit (meist 10-15 Minuten) sinnvoll. Unmittelbar nach der Anwendung muss die gewonnene Feuchtigkeit zwingend mit einer okklusiven Creme versiegelt werden, um den positiven Effekt zu erhalten und den erhöhten TEWL zu kontern. Eine interessante Alternative aus dem K-Beauty-Bereich sind „Splash Masks“, die nur kurz auf die Haut geklopft werden und einen Feuchtigkeits-Boost ohne das Risiko der Mazeration bieten.
Wie bestimmen Sie Ihren Hauttyp in 30 Minuten mit einem einfachen Klebestreifen-Test?
Die Begriffe „trocken“ und „dehydriert“ werden oft synonym verwendet, beschreiben aber unterschiedliche Zustände. Trockene Haut ist ein Hauttyp, dem es an Lipiden (Fett) mangelt. Dehydrierte Haut ist ein Zustand, dem es an Wasser mangelt – und dieser kann jeden Hauttyp betreffen, auch fettige Haut. Der Schlüssel zur richtigen Pflege ist die Bestimmung, ob Ihre Haut trocken ist und/oder ob Ihre Barriere gestört ist und zu einem hohen TEWL neigt. Ein einfacher Test kann hier Klarheit schaffen.

Dieser Test kombiniert die Messung der Talgproduktion (Fett) mit der subjektiven Bewertung des Spannungsgefühls (Hinweis auf TEWL). Eine hohe Talgproduktion bei gleichzeitig hohem Spannungsgefühl ist ein klares Indiz für eine fettige, aber dehydrierte Haut mit gestörter Barrierefunktion. Dies erfordert eine Pflege, die leichte Feuchtigkeit spendet (z.B. Glycerin-Seren) und gleichzeitig die Barriere mit Ceramiden oder Niacinamid repariert, ohne zu reichhaltig zu sein.
Ihr Plan zur Bestimmung des TEWL-Zustands:
- Reinigung & Wartezeit: Reinigen Sie Ihr Gesicht nur mit lauwarmem Wasser und tragen Sie keinerlei Pflegeprodukte auf. Warten Sie exakt 30 Minuten, damit sich die Haut normalisieren kann.
- Talgproduktion messen: Drücken Sie Löschpapier (Blotting Paper) für 10 Sekunden fest auf Stirn, Nase, Wangen und Kinn. Ein starker Fettfleck deutet auf eine hohe Talgproduktion in dieser Zone hin.
- Spannungsgefühl bewerten: Bewerten Sie das Spannungsgefühl in jeder der vier Zonen auf einer Skala von 1 (keine Spannung) bis 10 (extrem unangenehme Spannung).
- Ergebnis interpretieren: Ein hoher Spannungswert (7-10) in einer Zone ist ein starker Indikator für eine lokal gestörte Barriere und einen hohen transepidermalen Wasserverlust (TEWL) in diesem Bereich.
- Pflege ableiten: Leiten Sie eine zonenspezifische Pflege ab. Trockene Wangen mit hoher Spannung benötigen die „Sandwich-Technik“ mit Okklusion. Eine fettige T-Zone mit hoher Spannung benötigt leichte, barriere-stärkende Wirkstoffe wie Niacinamid.
Niacinamid und Vitamin C: Dürfen Sie diese Power-Stoffe wirklich nicht mischen?
Ein hartnäckiger Mythos in der Hautpflege besagt, dass man Niacinamid (Vitamin B3) und Vitamin C (insbesondere L-Ascorbinsäure) nicht zusammen verwenden dürfe. Die Befürchtung war, dass sie miteinander reagieren, die Wirksamkeit des jeweils anderen aufheben und Nikotinsäure bilden, die zu Hautrötungen führen kann. Diese Warnung ist jedoch veraltet und basiert auf Studien aus den 1960er Jahren, die mit instabilen, nicht für kosmetische Formeln entwickelten Formen der Wirkstoffe bei hohen Temperaturen durchgeführt wurden.
Moderne kosmetische Formulierungen sind weitaus stabiler. Die Kombination von Niacinamid und stabilisierten Vitamin-C-Derivaten in einer Routine ist nicht nur unbedenklich, sondern sogar synergetisch. Niacinamid ist ein Alleskönner: Es stärkt die Hautbarriere durch die Anregung der Ceramid-Synthese, reduziert so den TEWL, wirkt entzündungshemmend und reguliert die Talgproduktion. Vitamin C ist ein potentes Antioxidans, das die Haut vor freien Radikalen schützt und die Kollagenproduktion anregt. Das Paula’s Choice Research Team fasst es treffend zusammen:
Die Warnung basiert auf alten Studien mit instabilen Formen von Vitamin C und Niacinamid bei hohen Temperaturen. Moderne, stabilisierte Vitamin-C-Derivate haben dieses Problem nicht.
– Paula’s Choice Research Team, Inhaltsstoff-Kombinationen in der Hautpflege
Eine strategische Anwendung kann die Vorteile beider Wirkstoffe maximieren. Viele Anwender erzielen die besten Ergebnisse, indem sie die Wirkstoffe zeitversetzt einsetzen, um den jeweiligen pH-Wert-Optima der Formulierungen gerecht zu werden.
Erfolgsbeispiel: Zeitversetzte Anwendung
Marken wie The Ordinary und Geek & Gorgeous, die in Deutschland breit bei Douglas und in Apotheken erhältlich sind, bieten hochkonzentrierte Seren beider Wirkstoffe an, die von vielen Anwendern erfolgreich kombiniert werden. Eine bewährte Methode ist die zeitversetzte Anwendung: Vitamin C am Morgen, um von seinem antioxidativen Schutz gegen UV-Strahlung und Umwelteinflüsse während des Tages zu profitieren, und Niacinamid am Abend, um die Reparatur- und Regenerationsprozesse der Hautbarriere über Nacht zu unterstützen. Diese Trennung maximiert die Wirkung jedes einzelnen Wirkstoffs ohne jegliches Interaktionsrisiko.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Kernproblem trockener Haut ist nicht Wassermangel, sondern Wasserverlust (TEWL) durch eine gestörte Barriere.
- Eine wirksame Strategie kombiniert immer Humectants (z.B. Glycerin) zum Binden von Feuchtigkeit mit Okklusiva (z.B. Petrolatum) zum Versiegeln.
- Die Konzentration und Formulierung eines Wirkstoffs sind entscheidender für die Wirksamkeit als sein Preis oder seine exotische Herkunft.
Drogerie oder Parfümerie: Wann lohnt sich der 50-Euro-Aufpreis für eine Creme wirklich?
Die Preisspanne für Feuchtigkeitscremes ist enorm. Doch rechtfertigt ein hoher Preis eine überlegene Wirkung bei der Bekämpfung des TEWL? Die Antwort lautet: nicht zwangsläufig. Wenn das primäre Ziel die Wiederherstellung der Barrierefunktion und die Reduktion des Wasserverlusts ist, sind oft preisgünstige Produkte aus der Drogerie oder Apotheke, die auf bewährten Wirkstoffen in hoher Konzentration basieren, völlig ausreichend und manchmal sogar überlegen.
Cremes wie die von CeraVe oder Balea Med setzen auf eine solide Basis aus Ceramiden, Hyaluron, Urea und Glycerin. Diese Inhaltsstoffe haben eine wissenschaftlich nachgewiesene Wirksamkeit bei der Reparatur der Hautbarriere und der Hydratation. Ihr Fokus liegt auf der reinen Funktionalität. Der Aufpreis für Luxuscremes rechtfertigt sich oft nicht durch eine bessere TEWL-Reduktion, sondern durch andere Faktoren:
- Zusätzliche Anti-Aging-Wirkstoffe: Teurere Formeln enthalten oft Peptide, Retinoide oder spezielle Antioxidantien, die über die reine Hydratation hinausgehen.
- Formulierung und Textur: Die Entwicklung einer eleganten, schnell einziehenden und sensorisch ansprechenden Textur ist kostspielig.
- Forschung und patentierte Komplexe: Luxusmarken investieren oft in eigene Forschung und patentierte Wirkstoffkomplexe.
- Marketing und Verpackung: Ein erheblicher Teil des Preises entfällt auf das Markenimage, aufwendige Verpackungen und Werbung.
Die folgende Gegenüberstellung macht deutlich, dass exzellenter Schutz vor TEWL nicht teuer sein muss.
| Produkt | Preis | Hauptwirkstoffe | TEWL-Reduktion |
|---|---|---|---|
| Balea Med Ultra Sensitive (DM) | ca. 3,95€/50ml | Glycerin, Panthenol, Allantoin | Sehr gut |
| CeraVe Feuchtigkeitscreme | ca. 9,95€/177ml | Ceramide, Hyaluron, Glycerin | Exzellent |
| Luxuscreme (Beispiel) | ab 65€/50ml | Peptide, exotische Extrakte, Retinol | Sehr gut (mit zusätzlichen Anti-Aging-Effekten) |
Für die grundlegende physikalische Aufgabe, den Wasserverlust zu stoppen, ist der Griff ins Drogerieregal oft die klügste und wissenschaftlich fundierteste Entscheidung. Ein Aufpreis lohnt sich nur, wenn Sie gezielt nach zusätzlichen Anti-Aging-Vorteilen oder einem besonderen Anwendungserlebnis suchen.
Basierend auf diesem biophysikalischen Verständnis können Sie nun Ihre Pflegeroutine objektiv bewerten und anpassen. Analysieren Sie die INCI-Listen Ihrer Produkte und bauen Sie eine intelligente Barriere-Strategie auf, die auf physikalischen Prinzipien statt auf Marketing-Mythen basiert.
Häufige Fragen zum transepidermalen Wasserverlust
Was passiert bei zu langer Einwirkzeit von Tuchmasken?
Die Hornschicht quillt auf (Mazeration) und die Lipid-Barrierefunktion wird geschwächt, ähnlich wie bei ‚Schrumpelhaut‘ nach einem langen Bad. Dies schwächt die Barriere und kann den TEWL nach der Anwendung paradoxerweise sogar erhöhen.
Wie oft sollte man Tuchmasken im deutschen Winter anwenden?
Maximal 1-2 Mal pro Woche als Intensivkur. Dies gilt insbesondere bei der typisch niedrigen Luftfeuchtigkeit von unter 30% in beheizten Räumen. Im Sommer, bei höherer Luftfeuchtigkeit, sind sie noch seltener notwendig.
Was sind ‚Splash Masks‘ als Alternative?
‚Splash Masks‘ sind ein Trend aus der koreanischen Hautpflege (K-Beauty). Es handelt sich um konzentrierte, flüssige Formeln, die mit Wasser verdünnt und nur für einige Sekunden auf das Gesicht geklopft werden. Sie bieten einen schnellen Feuchtigkeits-Boost ohne das Risiko der Mazeration durch lange Einwirkzeiten.