
Der Schlüssel zur perfekten Frisur liegt nicht im Befolgen starrer Regeln für Gesichtsformen, sondern in der Kunst der optischen Korrektur und Balance.
- Ein Haarschnitt muss gezielt visuelle Schwerpunkte setzen und die Linienführung des Gesichts durch vertikale, horizontale oder diagonale Elemente ausgleichen.
- Die Haarstruktur, insbesondere feines Haar, ist entscheidender als das Trendfoto und erfordert angepasste Schnitt-Techniken wie den Blunt Cut.
Empfehlung: Analysieren Sie Ihren nächsten Wunsch-Haarschnitt nicht nach der Gesichtsform des Models, sondern danach, wie seine Linien und Volumen Ihre eigenen Gesichtszüge gezielt harmonisieren oder ausgleichen würden.
Viele Frauen kennen das Gefühl: Man verlässt den Salon mit einer technisch perfekten Frisur, die aber einfach nicht „stimmt“. Die Suche nach dem „Warum“ führt oft zu unzähligen Online-Guides über Gesichtsformen – rund, eckig, herzförmig. Man lernt, dass ein rundes Gesicht Länge braucht und ein eckiges Gesicht weiche Linien. Doch was passiert, wenn diese Regeln in der Praxis versagen? Wenn der empfohlene Bob das Gesicht breiter wirken lässt oder der trendige Stufenschnitt das feine Haar kraftlos erscheinen lässt? Das ist eine Frustration, die viele teilen, wie auch das große Interesse am Thema zeigt: Laut einer Analyse gibt es 14,16 Millionen Personen in Deutschland mit besonderem Interesse an Haarpflege und Frisuren.
Die Wahrheit ist, dass die starre Einteilung in Gesichtsformen nur die halbe Miete ist. Die eigentliche Kunst einer typgerechten Frisur liegt viel tiefer. Es geht um die gezielte Anwendung von Prinzipien der optischen Täuschung – ein Konzept, das Visagisten als „Hair-Contouring“ bezeichnen. Statt zu fragen „Welche Form habe ich?“, lautet die entscheidende Frage: „Welche Linien und welches Volumen benötige ich, um eine visuelle Harmonie zu schaffen?“. Es geht darum, bewusst visuelle Schwerpunkte zu setzen, die den Blick lenken, und die individuelle Haarstruktur als Realität anzuerkennen, nicht als Hindernis.
Dieser Artikel bricht mit den alten Schablonen. Wir werden nicht einfach Gesichtsformen und Frisuren auflisten. Stattdessen werden wir die Logik dahinter entschlüsseln. Sie werden lernen, warum bestimmte Schnitte funktionieren (oder eben nicht), wie Sie Ihre Frisur mit Accessoires wie Brillen abstimmen und wie Sie Ihre Wünsche so kommunizieren, dass Ihr Friseur sie versteht. Es ist an der Zeit, die Kontrolle über Ihre Frisur zurückzugewinnen, indem Sie die Prinzipien der Formgebung verstehen.
In den folgenden Abschnitten analysieren wir konkrete Frisuren-Dilemmas und entschlüsseln die Prinzipien der optischen Balance. Der Leitfaden bietet Ihnen das nötige Wissen, um zukünftige Haar-Entscheidungen selbstbewusst und fundiert zu treffen.
Sommaire: Die Kunst der optischen Balance für Ihren perfekten Haarschnitt
- Warum lässt ein Bob auf Kinnlänge Ihr rundes Gesicht breiter wirken und was ist die Alternative?
- Curtain Bangs oder Vollpony: Welcher Pony verdeckt, ohne zu erdrücken?
- Warum funktioniert der Wolf-Cut bei feinem Haar nicht so wie auf Instagram?
- Wie stimmen Sie Ihren Haarschnitt auf ein markantes Brillengestell ab?
- Welche 3 Bilder müssen Sie dem Friseur zeigen, um genau den Schnitt zu bekommen, den Sie wollen?
- Fedora oder Schlapphut: Welches Modell gleicht ein rundes Gesicht optisch aus?
- Der Fokus-Trick: Wie lenken Sie den Blick weg von Zonen, die Sie unsicher machen?
- Warum lässt der „Blunt Cut“ feines, deutsches Haar sofort doppelt so dick wirken?
Warum lässt ein Bob auf Kinnlänge Ihr rundes Gesicht breiter wirken und was ist die Alternative?
Der klassische Bob gilt als zeitloser Allrounder, doch für Frauen mit runden Gesichtszügen kann er zur optischen Falle werden. Der Grund ist ein einfaches Prinzip der Linienführung: Eine scharfe, horizontale Linie lenkt den Blick und erzeugt eine visuelle Betonung genau auf dieser Höhe. Endet der Bob exakt auf Kinnlänge, platziert er die breiteste Linie des Haarschnitts genau an der breitesten Stelle eines runden Gesichts. Das Resultat ist eine unvorteilhafte Betonung der Breite, statt der gewünschten Streckung. Das Gesicht wirkt dadurch voller und kürzer, als es eigentlich ist.
Die Alternative liegt darin, diese horizontale Linie bewusst zu verschieben und vertikale Elemente zu integrieren. Anstatt das Kinn zu umrahmen, sollte die Frisur es entweder klar freilegen oder deutlich überspielen. Die ideale Lösung ist hier oft der Long Bob, auch „Clavi-Cut“ genannt, bei dem die Haarspitzen sanft das Schlüsselbein berühren. Diese Länge zieht das Gesicht optisch nach unten und streckt es. Eine weitere Option ist der Micro-Bob, der deutlich über dem Kinn endet und somit die Wangenknochen betont, anstatt die Kinnpartie zu verbreitern.
Zusätzlich zur Länge sind asymmetrische Schnitte oder ein tiefer Seitenscheitel effektive Werkzeuge. Ein Seitenscheitel bricht die Symmetrie des Gesichts und schafft eine diagonale Linie, die ebenfalls streckend wirkt. Ein A-Linien-Bob, bei dem die vorderen Partien länger sind als die hinteren, erzeugt zwei vertikale Linien, die das Gesicht schmaler einrahmen. Es geht also nicht darum, auf einen Bob zu verzichten, sondern die richtige Variante und Linienführung zu wählen, um eine optische Korrektur zu erzielen.
Curtain Bangs oder Vollpony: Welcher Pony verdeckt, ohne zu erdrücken?
Ein Pony ist ein mächtiges Instrument zur Formgebung des Gesichts, doch die falsche Wahl kann das Gegenteil des gewünschten Effekts bewirken. Die Entscheidung zwischen den weichen Curtain Bangs und einem grafischen Vollpony hängt stark von der angestrebten optischen Korrektur ab. Ein Vollpony bildet eine harte, horizontale Linie quer über das Gesicht. Bei einer runden oder kurzen Gesichtsform kann dies das Gesicht optisch „halbieren“ und es noch kürzer und breiter wirken lassen. Er ist ideal, um eine hohe Stirn zu kaschieren, kann aber bei anderen Gesichtsformen schnell erdrückend wirken.
Im Gegensatz dazu sind Curtain Bangs die Meister der weichen Übergänge. Sie sind in der Mitte kürzer und werden zu den Seiten hin länger, wodurch sie eine sanfte, nach außen geöffnete Bewegung erzeugen. Diese Form rahmt das Gesicht ein, ohne es zu verkürzen. Die diagonalen Linien der seitlichen Partien lenken den Blick zu den Wangenknochen und strecken das Gesicht optisch. Sie sind weitaus flexibler im Styling und verzeihen auch mal einen Wirbel am Haaransatz, der einen Vollpony oft unkontrollierbar macht.
Die nachfolgende Illustration zeigt die fließende Bewegung von Curtain Bangs und wie sie das Gesicht sanft umspielen, anstatt eine harte Grenze zu ziehen.

Diese visuelle Darstellung verdeutlicht den Unterschied: Während ein Vollpony eine Barriere schafft, öffnen Curtain Bangs das Gesicht und schaffen eine Verbindung zwischen Stirn und Wangen. Der folgende Vergleich fasst die wichtigsten Entscheidungskriterien zusammen, die eine aktuelle Analyse von Bob-Frisuren bestätigt.
| Kriterium | Curtain Bangs | Vollpony |
|---|---|---|
| Für runde Gesichter | Optimal – verlängert das Gesicht | Weniger vorteilhaft – halbiert das Gesicht optisch |
| Styling-Aufwand | Flexibel, alltagstauglich | Höherer Aufwand, tägliches Föhnen nötig |
| Bei Wirbeln/tiefem Ansatz | Gut zu bändigen | Schwer zu kontrollieren |
| Brillenkompatibilität | Harmonisch mit feinen Fassungen | Kann mit markanten Fassungen überladen wirken |
Warum funktioniert der Wolf-Cut bei feinem Haar nicht so wie auf Instagram?
Der Wolf-Cut, eine wilde Mischung aus Shag und Vokuhila, ist ein Paradebeispiel für einen Instagram-Trend, der in der Realität oft zu Enttäuschungen führt – insbesondere bei Frauen mit feiner Haarstruktur. Auf Social-Media-Plattformen wird der Schnitt meist an Models mit extrem dicker und oft texturierter Mähne präsentiert. Die starken Stufen und die ausgedünnten Längen erzeugen dort eine lässige, voluminöse Bewegung. Bei feinem mitteleuropäischem Haar kehrt sich dieser Effekt jedoch ins Gegenteil um. Die radikale Durchstufung entfernt zu viel Substanz aus den Längen und Spitzen, sodass diese dünn, fransig und kraftlos wirken. Das versprochene Volumen am Oberkopf kollabiert ohne die stützende Masse schnell, während die Spitzen an Fülle verlieren.
Das Problem liegt in der „Textur-Realität“: Ein Schnitt, der für Dichte und Textur konzipiert ist, kann bei feinem Haar nicht dieselbe Wirkung entfalten. Die Lösung ist nicht, den Trend zu ignorieren, sondern ihn zu adaptieren. Eine weitaus tragbarere Alternative für feines Haar ist der „Soft Shag“. Wie eine Analyse aktueller Frisurentrends zeigt, setzt dieser Schnitt auf sanftere Stufen, die primär das Deckhaar betreffen. Die Grundlänge bleibt dabei kompakter und voller, was dem Haar die nötige Schwere gibt.
Fallbeispiel: Der Soft Shag als deutsche Alternative zum Wolf-Cut
Eine Kundin mit feinem, glattem Haar wünschte sich den voluminösen Look eines Wolf-Cuts. Anstatt den Schnitt radikal durchzustufen, entschied sich der Stylist für einen Soft Shag. Die Stufen wurden nur leicht im Deckhaar gesetzt, um Bewegung zu erzeugen, während die Längen als kompakte Linie geschnitten wurden. Das Ergebnis war ein moderner, bewegter Look, der das Haar aber nicht ausdünnte, sondern durch die solide Basis sogar voller wirken ließ. Dies beweist, dass die Anpassung an die Haarstruktur der Schlüssel zum Erfolg ist.
Um aus feinem Haar das Beste herauszuholen, ist zudem das richtige Styling-Protokoll entscheidend. Produkte wie Volumenschaum und Texturspray sind unerlässlich, um dem Haar Stand und Griffigkeit zu verleihen.
Ihr Plan für realistisches Volumen bei feinem Haar
- Vorbereitung: Arbeiten Sie einen golfballgroßen Klecks Schaumfestiger oder mehrere Sprühstöße Volumenspray in das handtuchtrockene Haar ein, primär am Ansatz.
- Föhntechnik: Föhnen Sie das Haar über Kopf oder mit einer Rundbürste, um den Ansatz maximal anzuheben. Ein Diffusor kann ebenfalls für mehr Textur sorgen.
- Ansatz-Booster: Geben Sie nach dem Trocknen Volumenpuder oder Texturspray direkt auf die Ansätze und massieren Sie es leicht ein, um Stand zu erzeugen.
- Textur für die Längen: Verwenden Sie ein leichtes Salzwasserspray in den Längen, um eine natürliche, strukturierte Bewegung zu schaffen, ohne das Haar zu beschweren.
- Finish: Fixieren Sie den Look mit einem leichten Haarspray. Vermeiden Sie schwere Produkte, die das Volumen wieder zusammenfallen lassen.
Wie stimmen Sie Ihren Haarschnitt auf ein markantes Brillengestell ab?
Eine Brille ist nicht nur eine Sehhilfe, sondern ein prägendes Accessoire, das die Gesichtsarchitektur maßgeblich beeinflusst. Einen Haarschnitt zu wählen, ohne die Brille zu berücksichtigen, ist wie ein Outfit ohne Schuhe zu planen. Das oberste Prinzip lautet: Schaffen Sie Balance, keine Konkurrenz. Gesicht, Frisur und Brille sollten harmonieren, wobei es immer nur einen „Star“ geben darf. Entweder ist die Brille das Statement-Piece oder die Frisur – beides zusammen wirkt schnell überladen.
Hat Ihr Brillengestell eine sehr markante, eckige Form, braucht es als Gegenpol eine weichere Frisur. Sanfte Wellen, ein weich gestufter Schnitt oder Curtain Bangs brechen die harten Linien der Brille auf und schaffen Harmonie. Umgekehrt kann ein sehr auffälliger, grafischer Haarschnitt, wie ein präziser Bowl Cut, wunderbar mit einem schlichten, minimalistischen Brillengestell funktionieren. Wie die Hairstylistin Julia Hannappel in einem Interview betont, geht es im Kern immer um die Annäherung an eine ideale Form. Ihre Expertise unterstreicht diesen Ansatz, wie sie im Interview mit dem Stylight Magazine erklärt:
Im Grunde geht es darum, die jeweilige Gesichtsform durch den Haarschnitt dem ‚Oval‘ näher zu bringen. Menschen mit ovalen Gesichtsformen steht nämlich tatsächlich alles.
– Julia Hannappel, Hairstylistin und Creative Director bei Pony Club
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Linienführung. Ein Vollpony, der knapp über den Augenbrauen endet, kann mit dem oberen Rand des Brillengestells eine unruhige „Doppellinie“ erzeugen. Hier sind seitlich getragene Ponys oder längere Curtain Bangs, die mit dem Gestell interagieren anstatt zu konkurrieren, oft die bessere Wahl. Bei Kurzhaarfrisuren ist es wichtig, dass die Koteletten und die Seitenpartien auf die Form und Breite der Brillenbügel abgestimmt sind. Ein Pixie-Cut kann beispielsweise so geschnitten werden, dass er die Linie der Bügel aufnimmt und elegant verlängert.
Welche 3 Bilder müssen Sie dem Friseur zeigen, um genau den Schnitt zu bekommen, den Sie wollen?
Die größte Hürde bei der Kommunikation mit einem Friseur ist die Übersetzung einer vagen Vorstellung in eine konkrete, technische Anweisung. Worte wie „ein bisschen kürzer“ oder „mehr Volumen“ sind subjektiv. Bilder sind präziser, aber auch hier liegt der Teufel im Detail. Ein einziges Inspirationsfoto reicht oft nicht aus, da es Raum für Fehlinterpretationen lässt. Die „3-Bilder-Methode“ ist ein effektives Werkzeug, um Ihre Wünsche unmissverständlich zu kommunizieren und realistische Erwartungen zu setzen.
Diese Methode strukturiert das Gespräch und deckt alle wichtigen Aspekte ab – das Ziel, die Realität und die Grenzen. So kann Ihr Friseur nicht nur sehen, was Sie wollen, sondern auch verstehen, was Sie auf keinen Fall möchten, und wie der Schnitt an Ihrer individuellen Haarstruktur aussehen könnte.
- Bild 1 – Die Hauptinspiration: Dieses Bild zeigt Ihren Traum-Look in seiner perfekten Form. Es definiert die allgemeine Ästhetik, die Länge und den Stil, den Sie anstreben. Es ist der „Nordstern“ Ihrer Vorstellung. Sagen Sie klar: „Dies ist die grundsätzliche Richtung, die mir gefällt.“
- Bild 2 – Die Realitäts-Version: Suchen Sie nach einem Bild desselben oder eines sehr ähnlichen Haarschnitts, aber an einer Person, deren Haarstruktur und -dichte Ihrer eigenen ähnelt. Wenn Sie feines Haar haben, bringen Sie kein Bild von jemandem mit einer dicken Mähne. Dieses Bild hilft dem Friseur, das Ziel an Ihre Gegebenheiten anzupassen.
- Bild 3 – Das Anti-Beispiel: Dieses Bild ist vielleicht das wichtigste. Es zeigt, was Sie unbedingt vermeiden möchten. Das kann eine bestimmte Länge sein („So kurz auf keinen Fall“), eine Stufung („Diese harten Kanten gefallen mir nicht“) oder ein Detail am Pony. Dies setzt klare Grenzen und verhindert die häufigsten Missverständnisse.
Durch diese drei visuellen Ankerpunkte geben Sie Ihrem Friseur ein vollständiges Briefing. Sie zeigen nicht nur Ihr Ziel, sondern auch Ihr Verständnis für die Realität Ihrer Haare und Ihre persönlichen No-Gos. Dies ermöglicht einen professionellen Dialog auf Augenhöhe und minimiert das Risiko von Enttäuschungen drastisch.
Fedora oder Schlapphut: Welches Modell gleicht ein rundes Gesicht optisch aus?
Ähnlich wie bei Haarschnitten geht es auch bei Hüten um optische Korrektur. Bei einem runden Gesicht ist das Ziel, Höhe und vertikale Linien zu schaffen, um eine Streckung zu bewirken. Ein Modell wie der Fedora-Hut mit seiner leicht eingedrückten Krone und der definierten Kante ist hier oft die bessere Wahl als ein weicher Schlapphut. Die Struktur des Fedoras erzeugt Höhe über dem Kopf, während die gerade Krempe eine klare Linie schafft, die nicht zusätzlich zur Gesichtsbreite beiträgt.
Ein großer, runder Schlapphut hingegen kann die runde Form des Gesichts wiederholen und betonen, besonders wenn die Krempe weich nach unten fällt und das Gesicht weiter umschließt. Dies kann den streckenden Effekt zunichtemachen. Wenn Sie einen Hut mit breiter Krempe bevorzugen, wählen Sie ein Modell mit einer steiferen, geraderen Krempe und einer höheren, strukturierteren Krone, um die nötige vertikale Linie zu erzeugen.
Doch wichtiger als das Hutmodell allein ist die Tragetechnik. Wie eine Analyse von Frisuren und Gesichtsformen hervorhebt, lässt sich die optische Wirkung stark beeinflussen. Ein Hut, der leicht schräg aufgesetzt wird, bricht die Symmetrie des Gesichts und wirkt sofort interessanter und weniger kompakt. Wird der Hut leicht nach hinten in den Nacken geschoben, legt er mehr von der Stirn frei und verlängert das Gesicht ebenfalls optisch. Tragen Sie einen Hut niemals tief in die Stirn gezogen, wenn Sie Ihr Gesicht strecken möchten – dies verkürzt die sichtbare Fläche und staucht die Proportionen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die perfekte Frisur ist keine Frage der Gesichtsform, sondern der optischen Balance und Linienführung.
- Die Haarstruktur (z.B. feines Haar) ist entscheidender als jeder Trend; Schnitte müssen immer angepasst werden.
- Accessoires wie Brillen und Hüte sind Teil des Gesamtbildes und müssen durch Komplementär- oder Kontrastprinzipien harmonisiert werden.
Der Fokus-Trick: Wie lenken Sie den Blick weg von Zonen, die Sie unsicher machen?
Jeder Mensch hat Bereiche im Gesicht, die er mehr oder weniger mag. Anstatt zu versuchen, ungeliebte Zonen krampfhaft zu verstecken, ist es oft viel effektiver, den Blick gezielt auf die eigenen Vorzüge zu lenken. Dieses Prinzip des „visuellen Schwerpunkts“ ist die Grundlage des professionellen Hair-Contourings. Es nutzt Licht, Farbe, Volumen und Linien, um die Aufmerksamkeit des Betrachters bewusst zu steuern.
Die Regeln sind einfach und leiten sich von der Malerei ab: Helle Farben und Volumen ziehen den Blick an, während dunklere Töne und glatte, anliegende Partien in den Hintergrund treten. Möchten Sie beispielsweise von einer breiteren Kinnpartie ablenken, schaffen Sie Volumen und vielleicht sogar eine hellere Strähne auf Höhe der Wangenknochen. Der Blick wird automatisch nach oben gezogen. Ein seitlicher Pony, der diagonal über die Stirn fällt, lenkt den Blick weg von der Gesichtsmitte hin zu den Augen.
Hier sind einige konkrete Techniken, um den Fokus gezielt zu lenken:
- Highlighting-Effekt: Helle Strähnen oder gezielt platziertes Volumen (z.B. durch Toupieren am Oberkopf) ziehen den Blick an und erzeugen einen visuellen Ankerpunkt.
- Shading-Effekt: Dunklere Haarfarben oder glatt anliegende Haarpartien (z.B. hinter die Ohren gesteckt) lassen Bereiche optisch zurücktreten.
- Diagonale Linien: Ein asymmetrischer Schnitt oder ein Seitenscheitel durchbricht die Symmetrie und lenkt den Blick entlang der diagonalen Linie, meist in Richtung der Augen.
- Accessoire-Platzierung: Eine auffällige Haarspange oder ein Tuch, das über dem Ohr platziert wird, schafft einen starken Fokuspunkt weit weg von der Gesichtsmitte.
Letztendlich geht es aber um mehr als nur optische Tricks. Eine Frisur, die gut sitzt und sich natürlich bewegt, verleiht Selbstbewusstsein. Diese positive Ausstrahlung ist oft der wirkungsvollste „Trick“ von allen, um von kleinen Unsicherheiten abzulenken. Eine selbstbewusste Haltung und Körpersprache verändern die gesamte Wahrnehmung einer Person.
Warum lässt der „Blunt Cut“ feines, deutsches Haar sofort doppelt so dick wirken?
Für Frauen mit feinem, oft als „typisch deutsch“ bezeichnetem Haar, ist der Wunsch nach mehr Fülle ein ständiger Begleiter. Während Stufenschnitte Volumen versprechen, führen sie oft zum Gegenteil: Die Längen wirken ausgedünnt und fransig. Hier kommt der Blunt Cut ins Spiel – ein Haarschnitt, bei dem alle Haare auf eine exakte, stumpfe Linie geschnitten werden, ohne jegliche Stufen oder Ausdünnung. Seine Wirkung auf feines Haar ist geradezu magisch und basiert auf einem einfachen optischen Prinzip.
Ein Blunt Cut erzeugt eine kompakte, massive Grundlinie. Indem jedes Haar auf derselben Länge endet, wird das maximale Gewicht an den Spitzen konzentriert. Dies verhindert, dass die Enden durchsichtig und kraftlos aussehen. Das Ergebnis ist eine scharfe, grafische Kante, die dem Auge suggeriert, dass die gesamte Haarmasse dicht und voll ist. Im Gegensatz dazu verteilen Stufenschnitte das Gewicht über verschiedene Längen, was bei bereits feinem Haar zu einem Verlust an Substanz in der Gesamtlänge führt.
Besonders effektiv ist dieser Schnitt bei Bobs oder Clavi-Cuts. Die gerade Kante schafft eine klare, horizontale Linie, die das Haar wie einen soliden Block erscheinen lässt. Es ist die ultimative optische Täuschung für mehr Dichte. Der Schnitt erfordert Präzision und muss regelmäßig nachgeschnitten werden, um die scharfe Linie zu erhalten, aber der visuelle Gewinn an Fülle ist für feines Haar unübertroffen. Es ist der Beweis, dass manchmal weniger (Stufen) tatsächlich mehr (Volumen) ist.
Bewaffnet mit diesem Wissen über optische Balance, Linienführung und Textur-Realität ist Ihr nächster Friseurbesuch nicht länger ein Glücksspiel. Betrachten Sie ihn als einen kreativen Prozess, bei dem Sie, gemeinsam mit Ihrem Friseur, die Architektin Ihrer eigenen, perfekten Frisur sind – einer Frisur, die nicht nur einem Trend folgt, sondern Ihre einzigartige Schönheit unterstreicht.
Fragen fréquentes sur die Wahl der richtigen Frisur
Wie oft sollte ich mit einem Bob zum Friseur?
Der Bob lebt von seinem präzisen Schnitt. Da Kurzhaarfrisuren relativ schnell ihre Form verlieren, sollten Sie einen Friseurbesuch etwa alle 6 bis 8 Wochen einplanen, um die klaren Linien zu erhalten.
Was tun, wenn ich mir unsicher bin, ob ein Schnitt zu mir passt?
Wenn Sie unsicher sind, kann es sehr hilfreich sein, verschiedene Frisuren virtuell mit einer App auszuprobieren. Noch besser ist es, Ihren Friseur um eine ehrliche Einschätzung zu bitten. Bringen Sie die 3-Bilder-Methode zur Anwendung, um Ihre Wünsche und Sorgen klar zu kommunizieren.
Sollte ich meine Gesichtsform vor dem Friseurbesuch kennen?
Es ist hilfreicher, die Prinzipien der optischen Korrektur zu verstehen als sich auf eine starre Gesichtsform festzulegen. Anstatt zu sagen „Ich habe ein rundes Gesicht“, sagen Sie besser „Ich möchte mein Gesicht optisch strecken“. Das gibt dem Friseur eine klarere Anweisung für die Schnitttechnik.